Die Ausgangslage


Die Analyse einer Schachpartie ist nicht beendet, solange keine glaubhafte Fehleranalyse von der Länge eines Halbzuges stattgefunden hat.


Unter der Voraussetzung, dass die Ausgangsstellung des Schachspiels eine Remisposition ist, gilt: Weder Weiß noch Schwarz kann im Verlauf des Spiels einen Sieg erzwingen (Anti-Münchhausen-Prinzip).


Märchen


Für die, die es formaler wissen wollen: In der kommentierenden Schachliteratur wird häufig (unbewusst) folgende Regel der Aussagenlogik genutzt:


Der Schluss von einer Aussage A auf eine Aussage B ist genau dann falsch, wenn A wahr ist und B falsch ist.


Ist also A falsch und B wahr, dann ist die Schlussfolgerung von A auf B wahr. Darauf beruhen hübsche Geschichten. Der Förderung des Schachverständnisses dienen sie nur zum Schein.


Ein Grund dafür ist, dass die Voraussetzungen oder der Gültigkeitsbereich vieler Schachprinzipien und Regeln nicht bekannt ist, und demzufolge die darauf fußenden Kommentare häufig Achs 8 Hypothesen widersprechen. Widerspruch, das geht gar nicht!


Ein weiterer Grund kann an folgendem Beispiel erläutert werden: Als Beweis für die Aussage Weiß setzt Schwarz matt werden verschiedene, für Schwarz mit Matt endende Zugfolgen angegeben.


Ein solcher Beweis, will er schlüssig sein, setzt eine Kette lückenlos aufeinanderfolgender Gewinnzüge voraus, und er muss daher mit einem Gewinnzug beginnen.

Das bedeutet jedoch, dass seitens Schwarz zuvor ein Fehler gemacht worden sein muss. Andernfalls müsste der Beweis (die angegebene Zugfolge) fehlerhaft sein.


Solange diese Punkte nicht zweifelsfrei – zumindest aber ernsthaft – untersucht worden sind, ist gar nichts bewiesen. Wir haben uns jedoch an gewisse stereotype Äußerungen der Meister des Schachs so sehr gewöhnt, dass wir an ihre Kommentare „glauben“. Aber Schach ist keine Märchenstunde.